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Kategorie: Vortragsberichte, Sonstiges
27.07.2011 Nahrungsmittelunverträglichkeit, Verstopfung, Müsli
heute bei Wer-weiss-was auf die Frage: Anfrage mit dem Titel "Nahrungsmittelunverträglichkeiten " Welche Tests gibt es? Was hilft bei Verstopfung, die chronisch ist? Was ist mit Getreidemüsli aus selbstgeschrotetem Getreide? Welche Sorten sind sinnvoll? Dr. Dirk Wiechert, Arzt für Allgemeinmedizin in Bremen und in Ritterhude antwortet auf diese Anfrage.

Welche Tests gibt es?

Eine richtige Allergie wird mit IgE-Tests ermittelt. Die Reaktion tritt binnen Minuten ein. Man kann es auch mit Pricktests überprüfen. Diese Tests sind oft negativ, bei Positivität aber in der Auswirkung für den Betroffenen hoch gefährlich, da Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock auftreten können.

Die Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeit erfassen diese IgE-Sofortreaktion nicht. Wenn in diesem Test ein im IgE positiv getestetes Nahrungsmittel nicht auftritt, heißt das nicht, das man es verträgt, sondern dass es noch zu keiner Hyposensibilisierungsreaktion im Sinne der IgG4-Bildung gekommen ist.
IgG gehört in die Gruppe der Gedächtnis-Zell-Antikörper, wie wir sie auch bei Impfungen erzeugen. Das heißt auch, dass der Körper nicht vergisst.
IgG4-Antikörper und wahrscheinlich auch IgG1-4-Antikörper haben eine Halbwertszeit von 21 Tagen, wenn man Sie nicht mehr zu sich nimmt, aber ganz werden sie wohl nicht vergessen. Nicht messbar heißt nicht Null.

Das bedeutet, dass es bei einem erneuten Essen dieser sensibilisierten Nahrungsmittel zu einer Alarmierung kommt, vergleichbar mit einer Auffrischungsimpfung.

Wenn die Abstände groß genug sind, vertragen wir das problemlos, die Immunreaktion bleibt subklinisch, mit anderen Worten, wir merken nichts.

Daher werden nach einer Karenz Rotationsdiäten empfohlen, damit die Wiederauffrischungsabstände möglichst groß sind und die Menge der Antikörper klein bleibt.
Würde ich mich alle halbe Jahr gegen Tetanus impfen, müsste ich mit starken Impfreaktionen rechnen, alle 5- 10 Jahre bleibt die Reaktion meistens subklinisch, aber laborchemisch in einem Titeranstieg messbar.

IgG4 entspricht der Hyposensibiliserug, dass heißt aber nicht, dass ich dann nicht reagiere, sondern auch ein Hyposensibiliserung ist ein Sensibilisierung.
Wenn also ein Pollenallergiker eine Hyposensibiliserungstherapie hinter sich hat, gilt immer noch der Leitsatz, dass er das Allergen meiden soll.
Die Histaminfreisetzung

www.dr-wiechert.com/artikel/datum/2011/06/18/...

durch die IgG4-Reaktion ist relativ gering, aber die Summe der Reaktionen bestimmmt den Spiegel. Diese Reaktion gehört in die Allergieklasse und wird immunologisch als TH-2-getriggert betrachtet.
Die meisten Menschen mit so einer Allergieneigung haben so eine Dysbalance der T-Helferzelllen vom 1:2-Typ.
Eine Typ-2-Gewichtung zeigt oft eine Infektbereitschaft für Viren, Pilze,intrazelluläre Erreger und Tumorzellen auf, was die Bedeutung dieser täglichen Stressbelastung unseres Körpers durch das, was wir essen, bezogen auf die Lebenszeit, erahnen lässt.
Deutlich stärker ist die Ausschüttung von Histamin durch IgG1-3.
Diese Antwort ist TH-1 getriggert und setzt auch NO-Gas frei, was wir für die Vergasung der Viren, Pilze, intrazellulären Erregen und Tumorzellen brauchen, was den Blutdruck und die Erektion reguliert, was ein Botenstoff im Gehirn und in den Mitochondrien ist. Überschießend führt es aber zu einer dauerhaften low grade inflammation (niedriggradigen Entzündung) die aber dazu führt, dass wichtige Enzyme, z. B. die Cytochrom-C-Oxidase zwischen dem 3. und 4. Schritt der Atmungskette beschädigt werden und ein TH2-Switch eingeleitet wird, der sich dann fixiert. ( Ab hier dann anderes Thema: Mitochondriopathie)

www.dr-wiechert.com/artikel/datum/2007/08/30/...

Wie entstehen diese Unverträglichkeiten ?

Ursache ist ein zumindest vorübergehendes Leaky-gut-syndrom. Hierbei können Nahrungsbestandteile aus dem Darm in die Blutbahn übertreten und hier eine Immunreaktion auslösen. Ursache dafür ist entweder eine Entzündung der Darmwand oder körperliche Anstrengung im Grenzbereich. Das erklärt auch, warum manche Sportler irgendwann einen Leistungsknick bekommen, aus dem sie dann nicht mehr zu ihrer alten Leistung zurück finden.

www.dr-wiechert.com/artikel/datum/2011/07/10/...

Diese IgG-Tests werden von verschiedenen Laboren angeboten. Ich nutze für IgG4 das Labor Biovis in Limburg, hier gibt es einen guten Präscreen zwischen 28,- und 49,- €. Für den IgG1-4 nutze ich den Proimmun M-Test des internationalen Therapeutennetzwerkes für Cellsymbiosistherapie.
Es wird in unterschiedlichem Ausmaß getestet, also von 90 bis 233 Allergenen und so variieren denn auch die Preise von 75,-€ IgG4 90 Allergene über 135,-€ für IgG1-4 90 Allergene bis hoch zu 350,- €. Man bekommt immer eine Auswertung und Ernährungumstellungsberatung und für 10,- € auch ein individuelles Kochbuch von dem Labor dabei. Die Leistung des beratenden Arztes geht extra.
Dr. med. Dirk Wiechert, Bremen, www.dr-wiechert.com



Was hilft bei Verstopfung, die chronisch ist?

Zunächst muss man die Ursache der Verstopfung erfassen.

Werden genügend Faserstoffe gegessen, die das Wasser in dem Stuhl halten können, damit dieser geschmeidig und voluminös wird, wie ich in einer Bäckerzeitung gelesen habe.

Wie ist die physiologische Darmflora beschaffen ?
Sind genügend Bifidobakterien da, die aus Halbzellulosen und Pektinen Butyrate, also kurzkettige Fettsäure bilden, ohne die die Darmschleimhaut nicht ernährt werden kann.
Habe ich genügend Lactobazillen, die die Darmaktivität mitbestimmen und regulativ die TH17-Zellen, die als Trigger für Autoimmunerkrankungen gelten, in schach halten.
Wie sieht der Pilzbestand aus ? Habe ich vielleicht eine Überwucherung mit Geotrichum candidum, was darmmotilitäthemmende Substanzen freisetzen kann?

Liegt vielleicht eine autonome vegetative Neuropathie vor, weil ich zwar keinen Diabetes mellitus, dafür aber seit Jahren eine Insulinrezeptorresistenz und damit ganz hohe Insulin- oder C-Peptidspiegel habe.
Wurde der Darm durch eine länger anhaltende Entzündung in den Nerven geschädigt, so dass der Auerbach Plexus oder Plexus myoentericus vielleicht degeneriert ist.
Liegt vielleicht eine vererbte Ursache wie z.B. der M. Hirschsprung vor ?
Sind meine Elektolytwerte in Ordnung ? (Kalium, Magnesium, Calcium ? Was ist mit Vitamin C, D, Selen, Zink ??

www.dr-wiechert.com/artikel/datum/2006/03/10/...

Es gibt die Möglichkeit der Darmmotilitätsprüfung, indem man die Darmpassagezeit bestimmt.
Dazu nimmt der Patient über einen Zeitraum von 6 Tagen täglich eine Kapsel ein, die röntgendichte Marker enthält. Am Tag nach der letzten Kapseleinnahme wird ein Übersichtsröntgen des Bauches aufgenommen. Am Röngtenbild werden die im Darm befindlichen Marker gezählt und die Darmpassagezeit errechnet. Beträgt diese mehr als 72 Stunden spricht man von einer verlangsamten Transportzeit. Auch die Verteilung der einzelnen Marker im Dickdarm kann interpretiert werden. So kann man Verengungen, Divertikel, also Aussackungen und Darmaufdehnungen erkennen.

Dr. med. Dirk Wiechert, Bremen, www.dr-wiechert.com

Was ist mit Getreidemüsli aus selbstgeschrotetem
Getreide? Welche Sorten sind sinnvoll?

Getreide an sich ist wegen der Vitalstoffe in der Schale und wegen des Faserstoffanteils als gut zu betrachten. Wenn eine Nahrungsmittelunverträglichkeit dagegen besteht, relativiert sich das schon wieder.
Wenn eine Insulinrezeptorresistenz

(www.dr-wiechert.com/artikel/datum/2011/07/24/...)

besteht, wird die durch den hohen Kohlehydratanteil nicht besser, das gilt übrigens auch für die Fruktose. Bei dem Getreide könnte man das Problem durch bis auf Korngröße vorgekeimtes Korn, dass man dann mit dem Pürierstab zerkleinert, Abhilfe schaffen. Die schnell verfügbaren Kohlenhydrate werden weniger und der Vitaminanteil erhöht sich.

Grundsätzlich geht jede Sorte. Wegen der häufigen Sensibilisierung auf Gluten und Gliadin sollten diese Getreide eher zurückhaltend und stattdessen die glutenfreien Sorten bevorzugt werden. Die hochwertigen ALA´s, alpha-Linolensäure, Sesam-, Lein-, Raps-, Walnuss-, Hanf-, Arganöl, sind nur erschlüsselt, wenn das Korn geschroten oder gekeimt ist. Auf Omega-6-Fettsäure-lastige Öle, wie Sonnenblumen-, Distel- und Maiskeimöl sollte wegen der Entzündungsförderung über den Arachidonsäurestoffwechsel, den wir mit ASS und NSAR bekämpfen, eher verzichtet werden.
Dr. med. Dirk Wiechert, Bremen, www.dr-wiechert.com


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